Diabetes

Man lebt so einfach vor sich hin,
nur Spass und Fröhlichkeit im Sinn.
Man bechert und man isst auch viel,
hat seinen eignen Lebensstil.

Man hat zwar Zucker, doch was solls?
Man ist ja aus dem harten Holz,
dem niemals was passieren kann,
so lässt mans schleifen dann und wann.

Bis eines Tages man erkennt,
dass irgendwas das Leben hemmt.
Man fühlt sich schlecht und auch sehr schlapp,
gibt, was man eben ass, gleich ab,
erbricht auch alles, was man hat,
die Gegend schwankt, man ist sehr matt.

Du trinkst so viel wie ein Kamel,
Der Mund bleibt trocken, klebt wie Gel.
Du hast den Durst der Ewigkeit
kannst trinken, doch wirst nicht befreit.

Nach einer Weile merkst Du dann:
“Da komm ich selbst nicht gegen an”
Und rufst, obwohl es Dir nicht passt,
den Notarzt, der ans Hirn sich fasst
und ruft “Was hast Du Dir gedacht?
Legst krank Dich hin, gesund erwacht?

Du musst jetzt erst ins Krankenhaus,
dort treiben sie das Gift hinaus.
Da wissen sie, was Dir bekommt,
auch wenn’s Dir zunächst gar nicht frommt!”

Du bist gewohnt, nicht schwach zu sein,
und gehst doch auf die Hilfe ein,
denn wenn sich um Dich dreht die Welt,
das Auge nicht mehr scharf sich stellt,
die Beine Dir den Dienst versagen,
Dir schlecht ist, nicht nur tief im Magen,
die Glieder schmerzen und Du schwankst,
dann ist’s der Helfer, dem Du dankst,
(wenn Du das irgendwann mal kannst)

Der Stolz der ist ein hohler Stamm
der Dich nie wirklich stützen kann.

Die Sanitäter sind bald da
und fragen Dich “Na, alles klar?”
Du lehnst am Rahmen, schweissesklamm
und lächelst sie noch freundlich an,
zu mehr fehlt Dir nämlich die Kraft,
die hast Du Depp dahingerafft.

Du schwankst mit Ihnen durch die Nacht
Wirst halb geschleift und halb gebracht.
Die Beine, ich erwähnte sie?
Die sind aus Gummi, ohne Knie.
Dein Magen rebelliert brutal,
Geschmack im Mund, mehr tot als schal,
Dein Herz klopft wie ein Kolibri
der Puls er rast so wie sonst nie,
Du atmest stossweise und flach
kommst kaum noch mit dem Lufthol’n nach,
der Schweiss rinnt kalt Dir aus den Poren
Du hast schon jetzt Gewicht verloren!

Zum Krankenhaus gehts sehr geschwind,
inzwischen bist Du beihnah’ blind.
Du wirst verlagert, umgelegt,
Du kriegst kaum mit, was Dir geschieht.
Du wirst entkleidet, keine Scham,
Du kriegst Katheder in den Arm.
Auch in den Hals und in die Blas’
(oh glaubt mir nur,das ist kein Spass!)

Doch alles das muss dringend sein,
man redet auch stets auf Dich ein:
“Jetzt zwickt es hier, jetzt piekst es da,
wie geht es Ihnen, sind Sie klar?”

Du liegst nur da und murmelst was,
bist ausgetrocknet, flehst um nass,
doch keiner kann es Dir gewähr’n,
die Niere hätt’ das gar nicht gern.

Die Zunge klebt Dir tot im Mund,
die Lippen spröde, nicht gesund,
Du denkst “Verdursten muss so sein”
und hoffst, bald stellt sich Ohnmacht ein.

Nach einer endlos langen Zeit
ist eine Schwester doch bereit,
die Lippen wässrig zu benetzen,
Du weisst das wirklich sehr zu schätzen.
Es hilft nur kurz, kaum da schon fort,
doch Dankbarkeit das ist das Wort,
das mit der Schwester ist verknüpft
auch wenn sie aus dem Blick Dir hüpft.

Du schläfst nicht, so kommt es Dir vor,
doch stimmt das nicht, wie ich erfuhr.
Ich fragte nach Tablette “Schlaf”
Da hiess es nur “Du schläfst doch brav,
das ist nicht nötig, weiter so!”
Ich war erschüttert aber froh.

Nehm’ ich doch nicht gern Drogen ein,
denn mein Gehirn, das bleibt auch mein.
Doch leider nicht in dieser Zeit,
da war es Brei und nicht gescheit.

Ich lag zwei Tage intensiv
ich weiss nicht ob ich wirklich schlief,
es waren Tage ohne Zeit,
sie waren ewig, kurz und breit.
Das hört sich sehr verworren an,
doch kommts kaum an die Wahrheit ran.

Ich kam dann auf Normalstation
und hatte dort mein Bettlein schon,
den Tropf im Hals, das war nicht toll
auch wenn er mir bekommen soll.

So nahm ich ihn denn immer mit,
egal wohin ich dann auch schritt,
ich schritt recht langsam mit Bedacht,
damit das auch der Kreislauf macht.

Zunächst wars Essen ziemlich schwer,
als ob es nur aus Steinen wär,
ich schluckte schlecht, es brannt’ der Sod,
der Magen war noch klinisch tot.

So bat um weiches Essen ich,
doch auch noch das war widerlich.
Nicht vom Geschmack, der war ok
es tat nur stets beim Schlucken weh.

Die Pfleger halfen mir dabei
mit Pudding, Griessbrei, allerlei
so viel gepresst, wie es nur ging,
doch der Erfolg war nur gering.

Nach ein paar Tagen plötzlich dann
nahm ich die Nahrung wieder an
es tat nicht weh – oh welch ein Glück!
Ich konnte essen jedes Stück.

Danach war ich den Tropf auch los
ich freute mich, das war famos!
Es ging mir besser jeden Tag.
Das ist es wie ich’s Leben mag!

Nun war ich wieder eingestellt,
auf Werte wie der Rest der Welt.
So konnte ich zur Tür hinaus
aus diesem schlimmen Krankenhaus.

Ich muss von nun an besser testen
und mich nicht mehr mit Süsskram mästen,
ausgewogen mich ernähr’n,
wird nicht leicht, doch wird schon wer’n.

Ich hoffe sehr, mir bleibt bewusst,
dass ich der Krankheit folgen muss
und mich die Krankheit niemals fragt,
was ich wohl für sie übrig hab.

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