Blut am Messer? – das geht besser!

CGM mit FreeStyle Libre

Das FreeStyle Libre eignet sich hervorragend, um es zu einem CGM umzufunktionieren. Es handelt sich bei dem Sensor des FreeStyle Libre um ein Gerät, welches einen Schlauch besitzt, der in das Unterhautfettgewebe eingeführt wird. Es misst jede Minute einen Wert, den es dann intern für 15 Minuten speichert. In der 16. Minute werden die Werte verworfen, der aktuelle gespeichert und wieder ein 15 Minuten Intervall begonnen. Wenn man den Sensor also innerhalb von 15 Minuten über ein Gerät per NFC ausliest, erhält man eine recht engmaschige Messkurve. So kommt man zu einem schönen Verlauf der Zuckerwerte. Leider muss das aber immer durch ein Lesegerät initiiert werden, weshalb diese Methode auch FGM (Flash Glucose Monitoring) heisst und nicht CGM (Continuous Glucose Monitoring). Doch es gibt Möglichkeiten, das zu automatisieren. Es gibt inzwischen Firmen, die Aufsätze für den Sensor herstellen, die diesen per NFC auslesen und über Bluetooth an das Handy schicken können.

Ambrosiasys stellt zum Beispiel so etwas her, wobei mir der Sinn der Einwegaufkleber verschlossen bleibt, weil der Preis astronomisch ist. Ich bin ja wirklich froh, dass meine Krankenkasse kaum Probleme gemacht hat, als ich die FreeStyle Libre-Sensoren beantragt habe und mir auch zugesichert hat, dass diese auch weiterhin zuverlässig gezahlt werden. Aber nochmal genau den gleichen Preis für einen Aufkleber auf den Sensoren aus deren Kreuz zu leiern scheint mir eine etwas unrealistische Erwartungshaltung zu sein. Die mehrfach verwendbare Variante ist da schon sympathischer, allerdings steht da auch nur „can be used multiple times“ dabei, was in mir die Vermutung keimen lässt, dass das vielleicht auch nicht so wirklich lange hält. Die Notwendigkeit, das in Amerika zu bestellen ist der nächste Abschrecker für mich. Wenn das dann nicht mehr funktioniert, sollte man das möglichst ein paar Wochen vorher wissen, um eine durchgehende Versorgung sicher zu stellen, was aufgrund von fehlenden Hellsehermodulen ein eher illusorisches Szenario ist.

Also habe ich mich weiter umgesehen und bin dann zunächst über NightScout gestolpert. Dieses Programm speichert Sensorwerte in der Cloud und erhält diese im Zusammenhang mit FreeStyle Libre von einer App namens Glimp. Diese App liest auf einem Smartphone per NFC den Sensor aus und lädt die entsprechenden Daten anschliessend zu NightScout hoch, wo sie dann gespeichert werden. Das ist schon eine sehr feine Sache, weil man dann kaum noch Werte von Hand erfassen muss. Man muss aber nach wie vor den Sensor mit dem Smartphone scannen. Hier wäre eine Lösung wünschenswert, die diese Daten einfach direkt ans Smartphone sendet, aber auf eine solche von den Herstellern müssen wir wohl noch eine ganze Weile warten.

Alerdings gibt es eine Alternative dazu, auf eine Lösung zu warten. Eine Smartwatch kann dabei behilflich sein. Soweit ich das im Internet nachverfolgen konnte, gibt es derzeit eine einzige Smartwatch, die in der Lage ist, den NFC-Sensor des FreeStyle Libre auszulesen. Das ist die Smartwatch 3 von Sony. Allerdings nur mit einer alten Android Version, da das NFC auf der Smartwatch extra freigeschaltet werden muss, was neuere Android Versionen wohl verhindern (warum auch immer).

Ich habe mir also so eine Smartwatch bestellt und ausserdem noch eine Halterung, die diese dann über dem Sensor festhält.

Smartwatch 3 von Sony
FreeStyle Libre Adapter

Die SmartWatch musste dann erstmal auf die richtige Betriebssystemversion gebracht werden. Das war zwar nicht ganz einfach, aber dank eines guten Guides habe ich es dann geschafft.

Allerdings auch erst, nachdem ich das auf einem Windows 7 Rechner versucht habe. Unter Windows 10 macht einem das Betriebssystem einen Strich durch die Rechnung, weil die SmartWatch nicht mehr über die USB-Verbindung ansprechbar ist, sobald sie sich im Fastboot-Modus befindet. Unter Windows 7 ging es so wie unter dem Link oben beschrieben.

Nachdem das geschafft war, fehlte noch ein Programm, was die Daten ausliest. Das war dann zunächst Libre Alarm, eine App, die sich in der Betaphase befindet und mit entsprechender Einstellung aber ganz gut funktioniert.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass es da dann ein Problem mit dem Betriebssystem auf der Uhr gab, weil sich Libre Alarm nicht damit verbinden wollte. Nach längerem Suchen bin ich dann auf die Lösung gestossen. Man braucht dafür eine bestimmte Version des Google Play Store.

Diese Anleitung erklärt recht gut, wie man die Smartwatch 3 zu einem CGM umbauen kann. Wichtig sind dabei auch die letzten Schritte, mit denen die Smartwatch dazu gebracht wird, möglichst wenig Strom zu verbrauchen und was noch wichtiger ist, weniger Hitze zu entwickeln. Ich habe festgestellt, dass zu viel Hitze zu erhöhter Schweissbildung führt, ohne dass man sich dessen bewusst wird.

Inzwischen bin ich zu Glimp gewechselt, da mir die Auswertung in der App besser gefällt und eine mehrjährige Betaphase wie bei Libre Alarm mich zu sehr an meine Bastelprojekte erinnert, die nie zu einer wirklich brauchbaren Lösung geworden sind.

Mein CGM umfasst nun folgende Komponenten:

Hardware

Smartwatch 3 von Sony
Sony SmartWatch 3 (SWR50) Adapter V2
Huawei Watch 2
– Smartphone Nexus 6P

Software

Glimp App
Nightscout
Android Wear
Diamant (meine selbst geschriebene Software)

Installation

Die Smartwatch 3 wird zunächst auf die richtige Version gebracht und die NFC-Fähigkeit wird aktiviert. Dazu gibt es hier eine hervorragende Anleitung: Anleitung für Smartwatch 3. Aber auch Freestyle Sticker stellt eine Anleitung dafür zur Verfügung.

Auf dem Handy wird die App Android Wear installiert und mit beiden Smartwatches verbunden. Dann wird die App Glimp auf dem Handy installiert, die sich dann automatisch auf die Smartwatch 3 installiert. Auf der Huawei Watch 2 wird dann Glimp direkt aus dem Play Store installiert.

Die Smartwatch 3 wird dann mit dem Adapter von Freestyle Sticker auf dem Sensor von Freestyle Libre befestigt. Sie kann vermutlich auch hingeklebt werden, aber da sie jeden Tag geladen werden muss, ist es besser, einen Adapter zu verwenden, den man abnehmen kann. Der Ladevorgang dauert so ungefähr 1 1/2 Stunden. Mit dem Adapter kann man das sogar am Arm direkt machen, solange man sich in der Nähe der Steckdose aufhält.

In Glimp auf dem Handy wird zunächst die Nightscoutverbindung eingerichtet. Das geschieht im Menüpunkt „Optionen – entferntes Glukose-Monitoring“. Hier wird unter Homepage die entsprechende URL angegeben und darunter der API-Schlüssel, der für den Zugriff festgelegt wurde. Dieser wird benötigt, damit Glimp die Daten hochladen kann. Mit „Prüfe Verbindung“ kann dann sichergestellt werden, dass der Zugriff auf Nightscout korrekt funktioniert.

Danach muss in Glimp noch der Menüpunkt „Optionen – CGM on wearable“ aufgerufen werden. Dort verbindet man Glimp mit der Smartwatch 3, stellt die Häufigkeit der Messungen ein (bei mir wird zur Zeit alle 10 Minuten gemessen) und ruft „Starte CGM“ auf. Danach werden im angegebenen Intervall die Werte ermittelt und an Nightscout übertragen. Wenn die Zeit zwischen den Messungen weniger als 15 Minuten beträgt, erhält man für jede Minute einen Wert.

Wichtig ist noch, dass man Glimp auf dem Handy so einrichtet, dass es nicht auf Sparflamme gesetzt wird, wenn das Handy Strom sparen möchte. Das geschieht nämlich in Android ab Version 7 (Android Nougat), wenn die App längere Zeit im Hintergrund läuft, das Handy länger nicht verwendet wird oder wann immer Android meint, es müsse Energie sparen.

Dazu muss man im Handy in die Einstellungen gehen, dort „Apps & Benachrichtigungen“ aufrufen, Glimp suchen und dort dann bei „Akku“ die Akku-Optimierung ausschalten.

Mit diesem Setup habe ich immer den zuletzt gemessenen Wert als Anzeige auf meiner Smartwatch am Handgelenk und kann jederzeit die Daten in Nightscout im Browser oder auf dem Handy anschauen. In Nightscout kann ich dann auch mit dem Bolus-Rechner die benötigte Insulinmenge berechnen lassen, wenn ich etwas esse.

Die Webseite Diamant ist zur Zeit in der Entwicklung und eines dieser Projekte von mir, die vermutlich nie die Marktreife erlangen werden ^^. Aber ich verwende das seit langer Zeit zur Erfassung meiner Daten und habe es inzwischen um eine Importfunktion für Nightscout erweitert, so dass ich das weiterhin gut nutzen kann. Der Vorteil, den ich mit dem Programm habe ist, dass es wie Nightscout auch eine Webseite ist und so von überall zugreifbar ist. Der Vorteil gegenüber Nightscout ist, dass ich die Berichte, die ich erzeuge selbst umbauen kann und auch dass die Daten komplett in Google Drive gespeichert werden, weshalb die einzige Voraussetzung für die Verwendung von Diamant ein Konto bei Google ist und keine Anmeldung an anderen Diensten benötigt wird.

Wenn jemand Interesse daran hat, Diamant zu verwenden, werde ich schauen, dass bestehende Fehler oder Probleme so schnell wie möglich behoben werden und dass das, was bisher fehlt (z.B. Einstellung der Therapiewerte in der Konfiguration) funktionsfähig wird.

Wartung

Manchmal ist es nötig, alles nochmal durchzuführen. Bei mir wurde das dadurch verursacht, dass ich mir ein neues Handy zulegte. Es ist nämlich nicht möglich, die Uhren einfach vom alten Handy zu trennen und mit dem neuen zu verbinden. Ich weiss nicht, was Google sich dabei denkt, denn sie denken normalerweise ziemlich gut, was die Benutzerfreundlichkeit angeht. Aber hier muss man doch tatsächlich die Uhr auf Werkseinstellungen zurücksetzen, was bei der Smartwatch 3 dann dazu führt, dass man die Einrichtung über ADB wieder durchführen muss.

Nach dem Zurücksetzen befindet sich zwar noch die richtige Android-Version auf der Uhr, aber NFC hat sich verabschiedet und der Google Play Store ist auch wieder auf einem alten Stand. Im Zuge dieser Suboptimalität habe ich mir dann eine Batchdatei geschrieben, die den Grossteil der Schritte durchführt, um die Smartwatch 3 wieder auf den richtigen Stand zu bringen.

Dazu brauch man zunächst folgende Dateien:

Ich habe sowohl die Quelle im Internet, als auch die direkten Download-Links angegeben, da es teilweise sehr schwer ist, die Download-Links auf den Seiten zu finden. Ich möchte denen, die die Dateien zur Verfügung stellen aber auch nicht die Lorbeeren wegnehmen. Lediglich die Batchdatei smartwatch3.bat ist meine eigene Kreation.

Diese müssen in das Verzeichnis kopiert werden, in dem sich ADB befindet. Dann mussnoch die Smartwatch 3 über USB mit dem Computer verbunden werden. Anschliessend die Batchdatei smartwatch3.bat im Verzeichnis von ADB ausführen und den Anweisungen folgen. Wenn alles funktioniert, sollte die Smartwatch 3 danach wieder in der Lage sein sich mit dem Handy zu verbinden und per NFC den Sensor auszulesen.

Es gibt auch eine andere Batchdatei namens smartwatch3-maywork.bat (Download | Quelle im Internet). Wie der Name schon sagt, kann es sein, dass diese auch funktioniert, muss aber nicht sein. Ich habe es nicht getestet, weil ich froh war, als alles wieder lief. Ich werde das ausprobieren, wenn ich wieder mal ein Problem habe und die Smartwatch 3 zurücksetzen muss.

Für einen unmotivierten Versuch bin ich zu sehr Programmierer und halte mich an die alte Weisheit:

Repariere nichts, was nicht kaputt ist 🙂

 

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